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  Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)
Deutscher Tierschutzbund
Schweisfurth-Stiftung
Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv)
 
Laudatio

auf die Preisträger des Pro Tier-Förderpreises 2003

 

durch Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald (Schweisfurth-Stiftung)

 

Liebe Preisträger,

liebe Festversammlung,

sehr geehrte Damen und Herren

 

Im Namen der Allianz für Tiere in der Landwirtschaft und als Vorstand der Schweisfurth-Stiftung darf ich Sie herzlich zu dieser Preisverleihung auf dem Hof der Familie Schmid begrüßen.

 

Die Allianz für Tiere in der Landwirtschaft ist ein Zusammenschluss führender Organisationen im Bereich des Tierschutzes sowie des Umwelt- und Verbraucherschutzes. Wir sind kein neuer Dachverband, sondern eine Arbeits- und Projektgemeinschaft.

 

Gründungsmitglieder sind:

 

der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), heute hier vertreten durch die Bundesvorsitzende Frau Dr. Zahrnt;
der Deutsche Tierschutzbund, repräsentiert durch seinen Präsidenten Herrn Apel und Vize-Präsidentin Frau Dr. Rusche
Die Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), die heute durch die Referentin für agrar- und ernährungspolitische Grundsatzfragen, Frau Jaksche, vertreten wird. Frau Prof. Müller, Vorsitzende des vzbv, ist leider kurzfristig verhindert.
Inititiiert wurde die Allianz vor gut zwei Jahren durch Karl Ludwig Schweisfurth, den Kuratoriumsvorsitzenden der Schweisfurth-Stiftung.

 

Die Allianz für Tiere entstand damals im Zuge der BSE-Krise. Wir wollten ein möglichst breites gesellschaftliches Bündnis schaffen, das sich zum Ziel gesetzt, durch gemeinsame Vorhaben die landwirtschaftliche Nutztierhaltung in Deutschland in all ihren Dimensionen nachhaltig zu verbessern.

 

Eines unserer ersten größeren Projekte ist die Vergabe des mit insgesamt 10.000 Euro dotierten Pro Tier-Förderpreises für artgerechte Nutztierhaltung:

 

 

Preis und Preiskonzept

 

Mit dem Förderpreis sollen Betriebe in Deutschland prämiert werden, die – laut Ausschreibungstext – „ihrer mitgeschöpflichen Verantwortung gerecht werden und Vorbildliches leisten bei der Haltung, Zucht und Fütterung landwirtschaftlich genutzter Tiere“. Der Preis richtet sich mit seinen Tierschutz-, Umweltschutz- und Verbraucherschutzanliegen gleichermaßen an ökologisch wie konventionell wirtschaftende Betriebe. Wir wollen in die Breite der Landwirtschaft hinein wirken.

 

Insgesamt haben sich nach bundesweiter Ausschreibung 80 Betriebe beworben. 17 dieser betriebe wurden in einer mehrtägigen Rundreise von Experten besucht und ausgewertet. Aus dieser Gruppe von Höfen hat die Jury folgende vier Preisträger ermittelt.

 

 

Zu den diesjährigen Preisträgern

 

Der 1. Preis geht hier in Westhausen an den Demeterhof der Familie Schmid. Eine Besonderheit der auf diesem Hof praktizierten ökologischen Geflügelhaltung ist die Verbindung von Zucht und Mast. Die Eintagsküken werden auf dem Hof aufgezogen und bleiben dort bis zur Schlachtung, die ebenfalls auf dem Betrieb stattfindet. Gehalten werden die 3.000 Legehennen in einem als besonders tiergerecht geltenden Volierensystem mit Wintergarten und Auslauf auf einer Weide, die Junghennen in Bodenhaltung ebenfalls mit Auslauf. Auf dem 100 Hektar-Hof leben außerdem rund 1.700 Masthähnchen, Enten, Gänse und Puten sowie 24 Mutterkühe mit Nachzucht und 30 Mastschweine. Es werden langsamer wachsende Mastgeflügelherkünfte eingesetzt. Der Hof, der bereits seit 1984 dem Demeter-Verband angehört, vermarktet seine Produkte selbst über Wochenmärkte, Großküchen und den Naturkosthandel.

 

Gestatten Sie mir noch eine kleine agrarpolitische Zwischenbemerkung, da zur Zeit einige Länderminister offenbar versuchen, das durch die Bundesregierung nach langem Ringen endlich erlassene Verbot der Käfighennenhaltung wieder zu kippen oder abzuschwächen. Dieser Betrieb der Familie Schmid, den wir heute auszeichnen, zeigt auf eindrückliche Weise, dass es, meine Damen und Herren, haltungstechnische ausgereifte Alternativen zur Käfighaltung gibt, die den vielfältigen Bedürfnissen der Tiere gerecht werden und dabei in jeder Hinsicht (auch in ökonomischer und arbeitswirtschaftlicher Hinsicht) funktionieren!

 

 

Der 2. Preis wurde von der Jury gleich dreimal vergeben. Nicht aus Entscheidungsschwäche, sondern weil die drei Betriebe in ihrem Bereich gleichermaßen Vorbildliches geleistet haben.

 

Zunächst die Familie Duensing-Knop, ein konventionell wirtschaftender Betrieb, der sich auf Schweinehaltung spezialisiert hat. Ganz so konventionell ist er natürlich nicht: Der Betrieb der Familie Duensing-Knop wirtschaftet seit 1994 nach den Richtlinien des Neuland-Verbandes, in dem sich konventionelle und ökologische Betriebe zusammengeschlossen haben, die besonders umwelt- und tiergerecht wirtschaften. (Der Verein, der vom Deutsche Tierschutzbund und dem BUND mitgetragen wird, feiert übrigens in diesen Tagen sein 15-jähriges Bestehen)

 

Die Familie Duensing-Knop bewirtschaftet in Rodewald, 40 Kilometer nördlich von Hannover gelegen, rund 60 Hektar vorwiegend Ackerland. Auf dem Hof leben 45 Zuchtsauen und rund 350 Mastschweine in eingestreuten Ställen. Die Tiere haben ständigen Zugang zum Freien. Die tragenden Sauen können im Sommer eine großflächige und mit Bäumen bewachsene Wechselweide nutzen, auf der sich auch mehrere Suhlen befinden.

 

 

Ein weiterer 2. Preis geht an den Demeter-Betrieb der Familie Till.

 

Die Familie Till bewirtschaftet seit 1988 den Mayer’schen Hof in der Nähe des Feldbergs im Schwarzwald: ein rund 60 Hektar großer Grünlandbetrieb auf 1.000 Meter Höhe. Neben einigen Milchziegen und Mastschweinen leben auf dem Hof 24 Milchkühe mit entsprechender Nachzucht und eigenem Stier in einem sehr tiergerecht gestalteten Boxenlaufstall. Auch auf diesem Betrieb haben die Tiere ständigen Auslauf und im Sommer die Möglichkeit zum Weidegang. Eine Besonderheit des Mayer’schen Hofes sind die Bemühungen um den Erhalt einer vom Aussterben bedrohten Rasse. Gezüchtet wird ausschließlich die im Schwarzwald beheimatete Hinterwälderrasse, von der es in Deutschland nur noch wenige Exemplare gibt. Ein Bulle läuft in der Herde mit. Die Kühe werden nur einmal am Tag gemolken – auch dies eine Rarität, die u.a. arbeitswirtschaftliche Gründe hat. Die Kälber können auf diese weise bis zu vier Monaten an ihren Müttern tränken. Die Verarbeitung der Milch findet in der hofeigenen Käserei statt, vermarktet werden die Milch- und Fleischprodukte über eine Erzeuger/Verbraucher-Gemeinschaft in Freiburg.

 

 

Der dritte 2. Preis geht an einen Fischzuchtbetrieb in Schleswig-Holstein.

 

Die Teichwirtschaft Grambek der Familie Bothstede ist die erste und bislang einzige von Bioland zertifizierte Fischwirtschaft in Deutschland. In 44 naturnah gestalteten Teichen werden vorwiegend Karpfen, aber auch andere Fischarten wie Hechte, Welse oder Rotaugen in Polykultur gehalten. Die Besatzdichte ist deutlich geringer als in der konventionellen Fischzucht und dadurch dem natürlichen Futterangebot der Teiche angepasst. Nur in geringem Umfang wird zusätzlich Ausputzgetreide aus ökologischem Landbau an die Fische verfüttert. Die ökologische Fischzucht steht noch ganz im Anfang. Die Allianz für die Tiere will mit der Preisvergabe auf dieses bislang vernachlässigte Feld der Tierhaltung aufmerksam machen.

 

 

Begründung der Juryentscheidung

 

Bei allen Unterschieden im einzelnen zeichnen sich sämtliche Betriebe durch folgende Merkmale aus, die von der Jury besonders herausgestellt wurden:

 

Es handelt sich um bäuerliche Familienbetriebe, die die Produkte ihres Hofes zum Teil selbst vermarkten.
Die Anzahl der Tiere ist an die Fläche des Betriebes gebunden (keine Überdüngung).
Sowohl die Zucht als auch die Mast der Tiere findet auf dem gleichen Betrieb statt. Das spart in der Regel Tiertransporte und mindert das Infektionsrisiko.
Die Zucht orientiert sich an einer langfristigen Leistung gesunder Tiere, die Mast erfolgt ohne Beschleunigung durch künstliche Leistungsförderer (wie z.B. Antibiotika). Beim Geflügel werden lang-samer wachsende Linien eingesetzt.
Gefüttert werden heimische Futtermittel, die zum größten Teil auf den Betrieben selbst gewonnen werden (zentraler Aspekt einer bäuerlichen Wirtschaftsweise).
Rinder, Schweine und das Geflügel leben in geräumigen, gut strukturierten Ställen, die den Tieren genügend Bewegung und die Auslebung des arteigenen Verhaltens ermöglichen.
Sämtliche Ställe sind mit Stroh eingestreut, erhalten ausreichend Tageslicht und haben ein für Mensch und Tier gesundes Stallklima.
Die Tiere werden in Gruppen gehalten und haben ständig Auslauf sowie in den Sommermonaten eine Weidemöglichkeit.
Aufgrund der tiergerechten Zucht, Fütterung und Haltung ist die Krankheitsanfälligkeit der Tiere äußerst gering.
Die Schlachtung wird entweder auf den Betrieben selbst vorgenommen oder in nahe gelegenen Schlachtstätten. Transportiert werden die Tiere in der Regel durch den Tierhalter selbst oder eine ihnen vertraute Person. Die Transportdauer ist in keinem Fall länger als zwei Stunden.

 

Damit sind durch die Preisträger zentrale Forderungen der Allianz für Tiere an eine artgerechte und umweltverträgliche Nutztierhaltung vorbildhaft in die Pra-xis umgesetzt worden. Möglich ist diese Form der Tierhaltung dadurch, dass es den Betrieben gelungen ist, durch Öffentlichkeitsarbeit und entsprechendes Marketing genügend VerbraucherInnen von dem Mehr-Wert ihrer Produkte zu überzeugen.


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