Wir über uns
Aktuelles
Pro Tier Förderpreis 2009
Pro Tier Förderpreis 2007
Pro Tier Förderpreis 2005
Pro Tier Förderpreis 2003
   Preisträger 2003
   Bericht
   Kurzporträts / Begründung Jury
   Interviews
   Bilder
   Programm
   Grußwort Bundespräsident
   Laudatio
   Statements
   Bilder Preisverleihung
   Jury 2003
Prüfstelle ("Tierschutz-TÜV")
Tagung 2009
Tagung 2008
Tagung 2006
Tagung 2005
Kontakt
  Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)
Deutscher Tierschutzbund
Schweisfurth-Stiftung
Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv)
 
Grußwort von Bundespräsident Johannes Rau

anlässlich der Verleihung des Pro Tier-Förderpreises für artgerechte Nutztierhaltung am 23. September 2003 in Westhausen (in Auszügen)

 

(...)

Ich bekomme fast jeden Tag Briefe von besorgten Bürgerinnen und Bürgern, die sich einsetzen für die artgerechte Haltung von Nutztieren und die mich um Hilfe bitten. Nun kann der Bundespräsident keine Gesetze erlassen, aber mit Besuchen wie dem heutigen möchte ich mithelfen öffentliche Aufmerksamkeit dafür zu gewinnen, dass Nutztierhaltung und Tierschutz keine Gegensätze sein müssen. Es geht nicht darum, dass alle Menschen Vegetarier oder gar Veganer werden sollen. Mein Sache wäre das jedenfalls nicht. Es geht aber darum, dass die 140 Millionen Nutztiere, die es in Deutschland gibt, artgerecht gehalten und gefüttert werden und dass die Landwirte von den Erträgen trotzdem leben können.

 

Wir brauchen Nutztiere. Das darf aber nicht bedeuten, dass das Schlachtvieh quer durch Europa transportiert werden muss, dass es artwidrig ernährt und dass es auf engstem Raum zusammengepfercht wird. Hier gibt es Grenzen, die in der Vergangenheit jedenfalls nicht von allen beachtet worden sind. BSE-Krise und Nitrofen-Skandal sind dafür nur zwei Beispiele aus jüngster Zeit. Lebensmittel, die krank machen, können noch so billig sein, sie sind ihren Preis nicht wert.

 

Wir brauchen ein stärkeres Bewusstsein für die Qualität und für den Wert von Nahrungsmitteln. Der Preis darf beim Kauf nicht das einzig entscheidende Kriterium sein. Natur-, Umwelt- und Tierschutz müssen in der Lebensmittelherstellung eine größere Bedeutung bekommen. Dazu gehört es auch, dass die regionale Vermarktung weiter gestärkt wird. Dann können wir auch auf einen großen Teil der für die Tiere oft so qualvollen Transporte über große Entfernungen verzichten. Dazu kann auch der Lebensmittelhandel einen guten Teil beitragen.

 

Die Aufnahme des Tierschutzes ins Grundgesetz war ein wichtiger Schritt zum würdevollen Umgang mit unseren Mitgeschöpfen. Dass es nun ein Staatsziel Tierschutz gibt, das ist ganz wesentlich auf die Arbeit vieler engagierter Tierschützerinnen und Tierschützer zurückzuführen. Das Staatsziel „Tierschutz“ allein verändert leider noch nicht die Wirklichkeit, aber es gewährleistet, dass künftig bei rechtlichen Abwägungen der Tierschutz deutlich stärker berücksichtigt wird.

 

Die Wirklichkeit in der Tierhaltung verändert sich am besten durch ganz praktische gute Beispiele. Ich würde mich sehr darüber freuen, wenn die landwirtschaftlichen Betriebe, die wir heute auszeichnen, zum Vorbild werden für möglichst viele andere.

 

Niemand muss zum Beispiel bis zum Jahr 2007 warten, um Legehennen tiergerecht zu halten und zu ernähren. Das kann fast jeder Betrieb schon heute tun und er kann das auch mit wirtschaftlichem Erfolg tun, wie der Hof der Familie Schmid hier in Westhausen zeigt. Auch die ökologisch ausgerichtete Rinderzucht im Betrieb der Familie Till verdient Nachahmer genauso wie die Teichwirtschaft der Familie Bothstede in Grambek. Das sind alles gute Beispiele ökologischer Landwirtschaft.

 

Man kann aber nicht erwarten, dass alle Bauernhöfe zu Ökohöfen werden. Kein Bauer sollte jedenfalls dazu gezwungen werden. Es wäre aber gut, wenn auch die traditionellen landwirtschaftlichen Betriebe naturnäher, umwelt- und tiergerechter wirtschaften. Das geht auch, wie der Betrieb der Familie Duensing-Knop aus Rodewald zeigt, der heute ebenfalls mit dem Förderpreis „Pro Tier“ ausgezeichnet wird.

 

Nun gibt es für die ausgezeichneten Betriebe ja nicht nur eine Urkunde, sondern auch ein Preisgeld. Das reicht zwar nicht aus, um sich zur Ruhe zu setzen, aber vielleicht reicht es ja, um das Leben für die Tiere auf den ausgezeichneten Höfen noch ein wenig lebenswerter zu machen. Darüber freute ich mich. Schließlich sah schon Franz von Assisi in der Barmherzigkeit gegenüber den Tieren auch ein Zeichen der Menschlichkeit.

 

 


© Allianz für die Tiere | Impressum